Mittwoch, 18. Dezember 2013

Der Hias und die Zenze


Archiv Historische Bilder Partschins, Hans Gorfer
Um das Jahr 1895 war der Hias, ein Bergbauernbursch aus Partschins, Hirt auf der Schaferhütt. Zu der ihm von den Sonnenberger Bauern anvertrauten Herde gehörten rund 200 Schafe und 30 Ziegen. Seine Aufgaben waren das Melken der Ziegen, das Buttern mit dem Rührstab und die Herstellung von Ziegenkäse. Ausserdem hatte er drei Schweine zu versorgen. Von Zeit zu Zeit holten die Bauern den ihnen zustehenden Anteil an Butter und Käse ab. Der Hias führte ein ruhiges und beschauliches Almleben, seine Gedanken weilten allerdings oft bei der "Zenze" vom Karneilhof, in die er sich unsterblich verliebt hatte. Der Hof liegt zwar gut 1000 Höhenmeter weiter unten, doch das hinderte den jungen Mann nicht, von Zeit zu Zeit zu seiner Angebeteten zum "Fensterlen" abzusteigen. Da sich zur damaligen Zeit die Liebesverhältnisse nur klammheimlich abspielen durften, kletterte der Hias über eine Leiter zum Kammerfenster der Zenze hinauf, die ihm auf ein vereinbartes Zeichen das Fenster öffnete.

In früheren Zeiten war es üblich, dass die Bäuerinnen den Erlös aus dem Verkauf von Hühnereiern zur Aufbesserung ihres Taschengeldes für sich behalten durfte. Obwohl die Karneiler Bäuerin ihre Hühner fleißig fütterte, legten sie während der Sommermonate auffällig wenig Eier.
Sie klagte der Oberwieser Bäuerin, dass ihre Hühner wohl ständig gackerten, jedoch nur selten ein Ei legten. Der Mann der Oberwieserin, der Jäger war, hatte das Gespräch der beiden zufällig angehört.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, legte sich der Oberwieser Bauer auf die Lauer und "entlarvte" die Zenze, die ihren Liebhaber mit Hühnereiern versorgte. Der Jägersmann hatte Verständnis mit den beiden Verliebten und behielt das Geheimnis für sich. Noch im selben Jahr heiratete der Hias seine Zenze. Da sie fleißige und sparsame Leute waren, konnten sie in Partschins einen Bauernhof kaufen. Aus der glücklichen Ehe entsprossen zwei Söhne und vier Töchter.

Auszug aus dem Dorfbuch der Gemeinde Partschins von Ewald Lassnig