Montag, 17. September 2012

Wie der Egghofer Much greahrt (geweint) hat

"Wia i hon einruck’n miaßn zum italienischen Militär, bin i zuerst zum Vottr (Vater) gongen. Der hot gsogt zu miar: “Much, daß uns koane Schond mochst in Italien druntn!” “Na, i moch enk koan Schond” hon i drauf gsogt – ob’r greahrt hon i nit. Nocher bin i zur Muattr gongen. “Gell Much, bleibst brav!” hot sie gsogt, die Augen voller Zacher (Tränen). “I bleib schun brav, Muattr” hon i gsogt – ob’r greahrt hon i nit. Zlöscht (zuletzt) isch mei Madl, die Greatl kemmen. Wia sie aufgheart hot zun Reahrn (Weinen), sogt sie zu mir: “Much, daß du miar nix onfongst mit die walschn Weiber druntn!” “Na, i fong sicher nix on” hon i gsogt. – Obr greahrt hon i nit.
Nochor bin i außi ba der Tür und schneidig oi ibern Egg. Do drahn i mi nou amol um. Steaht nit des kloane braune Stierl obn ban Hof und schreit zu miar oar: “Muh-u-ch!” Nocher hon i greahrt und sel nit wianig!“

Altweibersommer

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum der "Altweibersommer" Altweibersommer heißt? Er bezeichnet einen Zeitabschnitt gleichmäßiger Witterung im September, welcher sich durch ein Hochdruckgebiet, stabiles Wetter und ein warmes Ausklingen des Sommers auszeichnet. Viele Menschen bezeichnen diese Tage auch als die fünfte Jahreszeit (in Südtirol = dann die 6. Jahreszeit, weil Törggelezeit belegt schon Rang 5!).
Die heiße Zeit des Sommers ist vorbei, die Nächte oft schon recht kühl, aber der Herbst hat noch nicht so richtig Einzug gehalten.


Der Ursprung dieser Bezeichnung führt weit in die Vergangenheit, in die germanische Mythologie. Der Name leitet sich von Spinnfäden her, mit denen junge Baldachinspinnen im Herbst durch die Luft segeln. Mit „weiben“ wurde im Altdeutschen das Knüpfen der Spinnweben bezeichnet.
Die Spinnennetze zwischen Gräsern, Blumen, Zweigen, Büschen, an Dachrinnen und Fensterläden, an Zäunen und Mauern entdeckt man vor allem an den ungewöhnlich warmen und sonnigen Tage im Herbst, die man auch “Flugsommer” oder “Frauensommer” nennt.
Im Volksglaube wurden diese Spinnweben aber auch für Gespinste von Elfen, Zwergen, der Nornen oder der Jungfrau Maria („Marienfäden“, „Mariengarn“, „Marienseide“, „Marienhaar“ oder „Unserer Lieben Frauen Gespinst“, „Mutter Gottes Gespinst“) gehalten. Weitere Bezeichnungen sind Ähnlsummer, Frauensommer, Mädchensommer, Mettensommer, Mettkensommer, Metjensommer, Witwensömmerli, Liebfrauenhaar und fliegender Sommer.

Im Volksglauben nahm man an, dass es baldige Hochzeit verheißt, wenn sich fliegende Spinnfäden im Haar eines jungen Mädchens verfangen.
Das Landgericht in Darmstadt hat im Jahr 1989 festgestellt, dass die Verwendung des Ausdrucks “Altweibersommer” durch die Medien keinen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte von älteren Damen darstellt.
Der Altweibersommer tritt übrigens in Amerika fast zur gleichen Zeit auf. Er nennt sich dort “Indian Summer” und ist berühmt für die prächtige Herbstfärbung der Laubbäume. Der Name “Indian Summer” gründet auf eine alte indianische Legende, nach der das Rot der Bäume das Blut eines erlegten Bären symbolisieren soll. In Schweden spricht man vom “Birgitta-Sommer”, in Finnland von “ruska-aika” (Zeit der Braunfärbung); in diesen Ländern liegt der Altweibersommer meist Anfang bis Mitte Oktober.

Dienstag, 11. September 2012

Das letzte Nörggele

Das letzte Nörggele, dessen man sich im Vinschgau erinnern kann, war bei einem Bauern am Partschinser Sonnenberg bedienstet, für den es das Kleinvieh weidete. Das Männlein war viel gutmütiger als die bisher beschriebenen Zwerglein und hatte nichts von deren Tücke und Bosheit. Es war Brauch, dass der Hirt das Mittagsbrot auf die Weide mitnimmt. Weil das Nörggele aber nie am Hof erschien, banden die Bauersleute das Essen einem Bock auf die Hörner, damit er es ihm auf die Weide hinaustrage. Als der Bauer einmal bemerkte, wie das Gewand des kleinen Hirten, nach langem, treuem Dienst, ganz verschlissen an seinem Leib hing, knüpfte er dem Bocke ein Bündel neuer Kleider auf die Hörner und schickte ihn hinaus zum Norgg. Als dieser das Tier daherkommen sah, fing er überlaut zu weinen und zu heulen an, rannte, die Hände ringend, wie ein Verzweifelter hin und her und jammerte:
"I bin so olt, i woaß die Moarspitz, kloan wie a Kitz,
und die Moarwies neunmol Wies und neunmol Wold.
Iatz hobn mi di Bauern bezohlt,

und iatz muaß i fort, an einen andern Ort."
Sprachs und lief auf Nimmerwiedersehen davon.
Diese Partschinser Sage und noch viele weitere gibt es demnächst im neuen Buch von Ewald Lassnig (lebendes Lexikon und Historiker von Partschins) nachzulesen. Buchvorstellung am 26.09.2012 um 20.00 Uhr in der Bibliothek Partschins.

Montag, 10. September 2012

Törggelen in Südtirol

Gebratene Kastanien und der "neue Wein" - das sind feste Bestandteile, die zum Südtiroler Törggelen gehören. Wer meint, Törggelen kommt von Torkeln mag manches mal richtig liegen, angesichts der vielen Lokale, in denen wunderbare Tropfen ausgeschenkt werden - aber nein: Törggelen kommt vom Lateinischen "torquere" und bedeutet, winden, pressen und drehen. Gemeint ist damit das Pressen der Maische nach der Weintraubenernte, wie es zu früheren Zeiten gebräuchlich war. Zum Törggelen begibt man sich am besten nach der Weinernte im Rahmen einer Herbstwanderung in bäuerliche Jausenstationen, Buschenschänken, Weinhöfen und alten Weinkellern, um den "Nuien", wie der junge Wein genannt wird und andere typische Spezialitäten, wie gebratene Kastanien, Sauerkraut und Hauswürste, Geselchtes und Speck zu verkosten. Die Törggelezeit erstreckt sich traditionsgemäß von Anfang Oktober bis Ende November.


Peter Mitterhofer's Talente

Dass Peter Mitterhofer die Schreibmaschine erfunden hat, ist nicht neu. Wohl für viele neu sind seine vielen anderen Talente. Er hat bei seinem Vater das Tischler- und später Zimmermannshandwerk gelernt und die strenge Berufssitte erforderte mindestens 3 Jahre "auf der Walz", um den Meisterbrief zu erhalten. Seine Reisen, die er meist zu Fuß zurücklegte, führten ihn nach Österreich, Deutschland, die Schweiz, Frankreich und in die Balkanländer. Seinen Unterhalt hat er unter anderem auch durch Spielen auf seinen selbstgefertigten Instrumenten, durch Singen, Kunstpfeifen und Bauchreden verdient.
Besonders in dieser Fertigkeit war er Meister und konnte zum Beispiel die Tritte eines die Stiege herauf und hinunter Gehenden vollkommen täuschend nachahmen, small-talk inklusive. Auf einem Anschlagzettel lädt "Peter Mitterhofer aus Meran in Tirol" zu einer "Abend-Unterhaltung ergebenst ein", bei der er sich als Tonkünstler und Bauchredner, sowie im "künstlichen Blasen mit freiem Munde" Singen und Pfeifen "produzieren" wird.
Beliebt beim Publikum waren, so wird überliefert, ein kaum sichtbares, geheimnisvolles Blasinstrument, ein kurzer mit einem Draht versehener Gänsefederkiel, den Mitterhofer an einem seiner Vorderzähne befestigte und darauf die herrlichsten Melodien pfiff.

 
Peter Mitterhofer galt alsbald als Sonderling, auch weil er bei einer seiner Unterhaltungsabende "seine Anschauung über den Glauben" zum Besten gab.
 
Dies hat dem damaligen Pfarrer und dem Dorfvorsteher nicht gefallen und hat Peter Mitterhofer eine Anzeige und ein Aufenthalt im Gefängnis von Meran eingebracht. Als dann Mitterhofer in seinem vierzigsten Lebensjahr heiraten will, fiel das für die Erlangung der gemeindeamtlichen Ehebewilligung  erforderliche Leumundszeugnis nicht so gut aus.
In die Zeit bald nach Peters Eheschließung mit Marie Steidl, im Jahre 1864, fällt die Erfindung der Schreibmaschine.

Mehr zur Geschichte der Schreibmaschine


Montag, 3. September 2012

Nicht nur Eva pflückt Äpfel


Einst hat Eva im Paradies einen Apfel vom verbotenen Baum gepflückt. Wir befinden uns immer noch im Paradies, wo derzeit fleißig Gala, Elstar und in den nächsten Tagen die am meisten angebaute Apfelsorte Golden Delicious geerntet wird.

Die ersten Apfelbäume haben sich in Kasachstan im mittleren Asien entwickelt. Dort stehen noch heute Wälder mit "Urapfelbäumen". Die Hauptstadt, Almaty, bedeutet übersetzt: Vater der Äpfel. Über die Seidenstraße gelangten die Apfelbäume nach Westeuropa und die Griechen haben diese schließlich veredelt. Danach hat der Apfel über die Römer Einzug in unsere "Gärten Eden" gehalten.

2005 wurde die Bezeichnung "Südtiroler Apfel" unter Schutz gestellt - die sogenannte "geschützte geografische Angabe", kurz g.g.A. garantiert Ursprung und Qualität der Südtiroler Äpfel.
Südtiroler Sortenvielfalt mit g.g.A: Golden Delicious, Gala, Red Delicious, Braeburn, Fuji, Granny Smith, Morgenduft, Jonagold, Winesap, Idared, Elstar, Pinova, Pink Lady, Kanzi, Rubens, Modi.
Mit 18.400 Hektar ist Südtirol das größte geschlossene Anbaugebiet in der EU. Seit den 70er Jahren wird die Ernte in Großkisten (wie im Bild) mit einem Fassungsvermögen von 320 kg in die Vermarktungsbetriebe transportiert. Noch mehr Infos gibt es jeden Freitag!

Im Bild Günther, der auch fleißig pflückt ...
 

Freitag, 31. August 2012

Erben der Einsamkeit


 
"Die Geschichte der Südtiroler Bergbauernhöfe ist eine bescheidene. Sie ist nicht gekennzeichnet von Jahreszahlen und Kriegen, von Mächtigen oder von Städten. Sie kann nur von Menschen berichten, deren Wohlergehen von der Natur im Ablauf der Zeit selber bestimmt worden ist. Das ist immer so gewesen. Die Besiedelung der Berggebiete ist in aller Stille erfolgt und trägt gerade deshalb etwas Geheimnisvolles an sich”. Aus “Erben der Einsamkeit” von Aldo Gorfer.

So manch’ interessante und kuriose Geschichte wissen die Bauern am Berg zu erzählen. Hören Sie genau hin!